Allein in der Fremde?

Wie sieht es nun aus nach 5 Monaten? Davon drei in der Marina und zwei auf See. Funktioniert es so wie ich es mir vorgestellt habe? Bekomme ich Kontakt auch wenn ich auf dem Wasser bin?

Hier möchte ich ein paar Anekdoten erzählen, wie es in der letzten Zeit funktioniert hat, ob sich meine Wünsche und Hoffnungen erfüllt haben.

Elke und Helmut aus Aachen – Meerkat of Cowes Katamaran
Ich hatte sie schon an der ein oder anderen Stelle erwähnt. Sie sind meine ersten und somit längsten Buddys. Wir haben uns im Juni wieder getroffen und noch zwei Wochen gemeinsam in der Bucht vor Vonitsa verbracht. Wir haben dazwischen nie den Anschluss verloren. Ich hatte ihnen mal erzählt, dass ich noch Körbe für meine Ablage suche, um weitere Dinge zu verstauen. Elke hatte unterwegs beim Segeln welche gefunden die sie für gut befunden hatte und mich über WhatsApp mit Bildern gefragt, ob sie diese für mich mitbringen sollen. An dieser Stelle ein extra Gruß an Elke. Gesagt getan, sie haben sie gekauft und sind in Vorleistung gegangen. Aus meiner Sicht geht es schon über den Status Buddy hinaus. Sie sind aktuell in Deutschland und wir haben regen Austausch über WhatsApp. Bei Helmut kann ich all meine Fragen rund ums Segeln loswerden. Ich freue mich auf nächstes Frühjahr wenn sie wieder hier sind. Plan: Gemeinsam den Golf von Korinth entdecken.

Damir aus der SchweizSY Manu
Wir haben uns auch auf der Marina im Shuttlebus kennengelernt. Er ist alleine unterwegs und hatte sein Boot für die Saison vorbereitet. 3 Wochen haben wir viel gemeinsam gemacht. Aktuell segelt er um den Peleponnes, später in die Ägäis und kommt im Spätherbst wieder zurück. Dann treffen wir uns auf dem Wasser wieder. Mit ihm hatte ich auch viel Spaß und wir haben uns gegenseitig geholfen, manchmal braucht man eine zusätzliche Hand oder einen anderen Blick auf die Dinge.

Die Italiener – SY Talita und SY Grille
Michele, Andrea und Katharina habe ich auch auf der Marina kennengelernt. Michele ist Segellehrer und Regattafahrer, er kennt sich richtig gut aus. Er lag drei Boote neben mir, er hat mir auch viele Tipps gegeben. Mit den beiden anderen, Andrea und Katharina von der Grille, hatten wir eine schöne Zeit über drei Wochen. Auf meinem Boot grillen und das ein oder andere Bierchen gemeinsam getrunken. Michele hat mich öfter mit dem Auto mit nach Preveza zum Einkaufen mitgenommen. Er hat mich dann immer dort abgesetzt wo ich wollte und mich auf dem Rückweg eingesammelt. So kam ich auch in Gegenden wo ich mit dem Shuttle der Marina nie hingekommen wäre, zum Beispiel zu Lidl. Wir stehen heute noch per WhatApp in Kontakt. Michele kommt auf jeden Fall in die Marina zurück, ich denke dann treffen wir uns auch wieder. Wenn ich unterwegs Kontakte brauche, wie zum Beispiel für den Kühlschrank, frage ich ihn auch. Er ist schon 20 Jahre hier unterwegs und kennt eine Menge Leute.

Wolfgang der Weltumsegler – SY Rosine
Wolfgang ist aus Mainz und hatte vor gar nicht so langer Zeit über vier Jahre lang eine komplette Weltumsegelung gemacht, sogar unten rum um Afrika. Er hat viele schöne Geschichten zu erzählen und natürlich auch viel Segelerfahrung. Er ist allein unterwegs, die Weltreise hat er mit einem Kumpel zusammen gemacht aber auf zwei Booten. Eines Tages bin ich vom Einkaufen gekommen, hab mein Dinghy hinten festgemacht und meine Einkäufe unten verstaut. Dann bin ich an Deck gegangen weil ich nach der „Arbeit“ meistens einmal ins Wasser hopse, um mich abzukühlen. Vorher habe ich so in die Runde geschaut und den Neuankömmling SY Rosine erblickt. Ein kleiner Schwenk mit den Augen weiter habe ich ein verlassenes Dinghy auf dem Wasser entdeckt, es war meins. Es muss sich losgemacht haben und trieb nun Richtung Ufer, ca. 200m weg vom Boot. Keine Sekunde überlegt, Sprung ins Wasser, jede Minute länger ist das Boot durch die Strömung weiter weg. Nach einiger Zeit hatte ich das Boot erreicht. Es ist gar nicht so einfach da hinein zu klettern, unterwegs hatte ich schon entschieden das Boot per schwimmen zurück zu ziehen. Gesagt getan, ich hab mir eine Schlaufe gemacht und diese um den Körper gelegt. So bin ich dann zurück geschwommen. Plötzlich taucht ein weiteres Dinghy neben mir auf, es war Wolfgang der Neuankömmling. Er hat schnell sein Dinghy zu Wasser gelassen und den Motor angebaut und ist zu mir rüber und bot mir seine Hilfe an. Er hat dann das Boot zurück geschleppt, ich bin geschwommen. Als Gegenleistung habe ich ihm später mal ein gemeinsames Bier angeboten. Aus dem Bier ist ein Grillen geworden und wir haben dann drei Wochen öfter was gemeinsam gemacht. Er ist schon 78 Jahre alt und er möchte noch bis 80 den Sommer auf dem Wasser erleben. Im Winter ist er in seiner Heimat.
Lerneffekt 1: Mache dein Dinghy immer ordentlich fest, denn es ist deine Brücke an Land und mit der wichtigste Ausrüstungsgegenstand.
Lerneffekt 2: Bist du einsam in einer Bucht und es liegen noch andere um dich rum, lass einfach mal dem Dinghy etwas Auslauf, der Rest ergibt sich von allein 🙂 Spaß
Mit Wolfgang treffe ich mich nächste Woche in der Bucht von Preveza, er wartet extra dort auf mich.

Gitti und Jörg – SY Bruty
Sie betreiben schon seit 8 Jahren einen Youtube Kanal mit aktuell 228 Videos und gut 4000 Abonnenten. Daran kann man auch sehen, das es gar nicht so einfach ist sich da etwas aufzubauen oder gar Geld damit zu verdienen. Manche Jugendliche denken ich eröffne einen Kanal und werde reich. Die Erfahrung der Segler zeigt, dass es nicht so ist. Viele machen es nur zur Dokumentation oder als zentrales Informationsmedium für die Familie. Ich habe auch schon viele verfolgt die es wieder eingestellt haben weil es ein zu hoher Aufwand ist. Die Bruty verfolge ich schon seit bestimmt drei Jahren auf YouTube und schaue mir ihre wöchentlich neu erscheinenden Videos an. Aktuell ist das neueste Video aus Spanien. Auch schon ein paar Jahre her, da hat Grazyna von einer Kollegin erzählt die viel mit dem Boot unterwegs ist und Videos macht. Es ist Gitti von der Bruty. Eines Tages stehe ich an Deck und schaue mal wieder in die Runde welche Boote neu und welche weg sind, da sehe ich die Bruty hier in der Bucht liegen. Ihr Name steht in ungewöhnlich großen Buchstaben seitlich am Rumpf, das ist auch aus größer Entfernung gut zu lesen.

Sie waren gute 100m entfernt. Klein – kleiner – Welt. Ihre Videos sind aus Spanien, aktuell sind sie schon in Griechenland. Viele Segler haben einen zeitlichen Versatz drin. Ich habe sie gleich über YouTube angeschrieben ob sie nicht Lust auf ein gemeinsames Bierchen haben, ich käme auch aus Berlin und verfolge sie schon länger auf ihrem Kanal. Sie haben dann geantwortet und letztendlich sind wir auch zum Grillen auf meinem Boot gelandet und haben einiges zusammen unternommen. Gitti hat sogar das defekte Teil von Raymarine mit nach Deutschland genommen und für mich von dort aus versandt. Sie musste beruflich zurück. Wir treffen uns Woche in der Bucht von Preveza. Durch sie habe ich die SY Carlene mit Anette und Lars kennengelernt.

Andreas aus München – SY Aditi
Er legte sich hier in der Bucht neben mein Boot. Bei Neuankömmlingen checke ich immer über die App Noforeignland, Vesselfinder oder Marine Traffic ob ich Informationen über die Boote und deren Eigner bekomme. In Noforeignland stand der Name Andreas. Ich habe immer geschaut ob er mal an Deck ist aber nie jemanden gesehen. Eines Tages bin ich mal wieder mit dem Dinghy vom Einkaufen gekommen, da stand er an Deck und hat mir zugewunken. Ganz so wie Motorradfahrer sich grüßen, machen es die Segler auch. Ich sofort neuen Kurs zu seinem Boot und hab ihn angesprochen: „Du bist doch Andreas und alleine unterwegs, hast du nicht mal Lust auf ein gemeinsames Bierchen?“ Er sagte, es ginge nur noch heute, da er den nächsten Tag wieder weiterfahren wollte. Ich hatte mir vorgenommen jede Gelegenheit zu nutzen, um Leute kennenzulernen. Das steht für mich an erster Stelle. Somit habe ich auch gleich zugesagt. Wir werden uns in der Bucht von Preveza treffen, er kommt nach Abschluss seiner Runde im Ambrakischen Golf dorthin.

….und noch einige mehr, die ich hier jetzt nicht alle aufzähle. Oben die Auswahl ist beispielhaft und soll zeigen, ja es funktioniert und wie vielfältig die Wege dahin sind. Ich habe mir eine Exceltabelle gemacht in der ich alle eintrage, die ich kennenlerne. Da stehen jetzt 20 Boote drin. Ich denke dafür das ich schüchtern und erst 5 Monate hier bin ist das schon gar nicht so schlecht. Ich zwinge mich einfach auf die Leute zuzugehen und je öfter ich es mache, und damit belohnt werde das es funktioniert, umso mehr verliere ich die Scheu. Nichtsdestotrotz ist es immer wieder eine Überwindung. Es gibt halt Dinge die lassen sich nicht so einfach abschalten. Meine technischen Fähigkeiten waren aber bisher nicht wieder gefragt, somit habe ich da mit meiner Annahme bisher ein wenig falsch gelegen. Die Offenheit und „auf die Menschen zugehen“ habe ich ein wenig durch Jarek gelernt. Hier hilft mir der Sport jetzt nicht mehr, der sonst mein Opener war.

An den Erzählungen ist zu merken, die Bucht vor Preveza ist ein zentraler Punkt. Daher werde ich spätestens kommende Woche dort auch vor Anker gehen, einige warten sogar extra auf mich. Aktuell liegen dort vier Boote mit denen ich schon was zusammen gemacht habe.

Weitere Erkenntnis: Ich spreche lieber deutschsprachige Segler an, da die sprachliche Barriere für mich doch da ist. Zwar komme ich gut zurecht, hat mit den Italienern auch sehr gut geklappt aber es strengt mich doch an. Ich muss mich die ganze Zeit konzentrieren, denn so gut spreche ich es leider nicht. Das ist dann auch die Krux. Zwinge ich mich nicht dazu wird es auch nicht besser. Wie mit so vielen Dingen im Leben, stärke deine Schwächen. Das wird meine nächste Stufe sein, Methodik Didaktik, vom Einfachen zum Schweren.

Leider habe ich bisher noch niemanden kennengelernt der auch den ganzen Winter hierbleiben möchte. Das hätte ich sehr gerne aber die Saison ist noch nicht vorbei. Wenn Ende September die meisten Charterunternehmen ihren Betrieb mehr oder weniger einstellen und dann überwiegend nur noch die Bootseigener unterwegs sind, treffe ich vielleicht jemanden.

Wie schon in Berlin auf meiner Dachterrasse ist der Grill ein Catcher. Grillen bedeutet Geselligkeit und wenn ich anbiete das bei mir machen zu können sind viele schnell dabei. Nicht jeder hat einen Grill an Bord. Hier bringt jeder seins mit und man hat einen schönen Abend zusammen. Bottleparty

Ich freue mich, dass alles so gut klappt und ich Gesellschaft habe, wenn ich es möchte. Ich kann gut alleine sein aber nicht die ganze Zeit.

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