Tools Part 2 – Griechenland…44kn Wind…der Anker sitzt

Am 24.07.2026 gab es ohne jegliche Ankündigung der diversen Wetterdienste einen plötzlichen Sturm. In der Spitze gab es Böen laut meiner Bordelektronik von 44,1 kn (44,1 Knoten = 82 kmh). Das sind auf der Beaufort-Skala Windstärke 9. Die Skala geht bis 12, Orkan.

Bild von meinem Plotter:

All diese Situationen sind für mich neu. Ich lerne jeden Tag dazu. Es ist ja nicht so, das ich als Segler geboren bin. Hier ist niemand der mir sagt was ich in welchem Fall wie und wann machen soll. Bis 25 kn Wind hatte ich schon öfter, das kenne ich. Nun habe ich gelernt das mein Ankergeschirr (Anker mit 25 kg, 70m Kette mit ca. 170kg, Ankerkralle) auch das hält und vor allem wie sich das Boot dabei verhält. Schließlich ziehen 12 Tonnen Bootsgewicht an allem. Ich hatte vorsichtshalber den Zündschlüssel eingesteckt, falls ich mit dem Motor gegen arbeiten und dem Ankergeschirr „helfen“ muss. Das Boot hat sich in dieser Situation stark auf die Seite gelegt, nur durch den Winddruck und ohne Segel draußen.

An erster Stelle (nach mir) steht das Boot, diesem soll und darf nichts passieren. Natürlich ist es versichert aber wie Versicherungen nun mal sind wird in einem Schadensfall genau hingeschaut, bevor der Rubel rollt. Im maritimen Bereich spricht man hier von „guter Seemannschafft“. Hat der Verantwortliche alles richtig gemacht, um einen Schaden abzuwenden? Erst wenn das geklärt ist, springt die Versicherung ein. Somit verbringe ich viel Zeit damit, mich auf diesem Gebiet besser zu machen. Dazu gehört auch täglich mehrmals das Wetter zu checken, denn es kann sich jederzeit ändern und das hat den größten Einfluss auf die Sicherheit.

Der ganze Spuck ging ca. eine Stunde. Ich war die ganze Zeit draußen und habe auf mein Boot aufgepasst. Immer mehrere Fixpunkte im Blick, um zu sehen ob mein Boot vertreibt. Es war natürlich wieder sehr aufregend für mich, daher hatte ich dabei keine Filmaufnahmen gemacht.

Für solche Bedingungen muss der Anker auch sehr gut im Meeresgrund „eingegraben“ sein. Dies macht man beim Ankermanöver. Der Anker ist so konstruiert das er sich auf Zug in den Grund gräbt. Viele kennen nur den klassischen Anker und denken er liegt einfach auf dem Grund. Als letzten Test nach einem Ankermanöver wird der Rückwärtsgang eingelegt und auf 2000 Touren Drehzahl (bei mir so) erhöht. Erst wenn das Boot dabei seine Position hält ist das Manöver abgeschlossen und es kann die Ankerkralle eingesetzt werden. Hier besteht der Grund aus Schlamm, da gräbt er sich richtig gut ein. Das sieht bei steinigem Untergrund oder Gras ganz anders aus. Da können durchaus mehrere Ankerversuche nötig sein oder man wählt einen ganz anderen Platz. Wenn man Glück hat ist in der Seekarte die Art des Ankergrunds verzeichnet oder andere Plattformen geben dazu Auskunft. Dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Schräg hinter mir liegt obiges holländisches Plattbodenschiff 20m lang, die hatten nicht so viel Glück. Der Anker hatte nicht gehalten und das Boot wurde zum Ufer gedrückt. Die Crew hat dann den Motor angemacht und damit versucht vom Ufer wegzukommen. Sie haben davon ein kurzes Video auf Instagram online gestellt, müsste auch ohne Anmeldung bei Instagram zu sehen sein. Leider sieht man mein Boot nicht auf dem Video.

Instagram – Trouble im Sturm

Im Video kann man auch sehen wie Sand hinter dem Boot aufgewühlt wird, das Wasser färbt sich bräunlich. Da war die Schraube dem Grund schon gefährlich nahe. Wenn da noch Steine im Weg liegen kann das ganz schnell sehr teuer werden. Gefühlt war der Sturm stärker als es auf dem Video transportiert wird. Die Eigner sind auch Deutsche. Nach dem Sturm, als nur noch so um die 10 kn Wind waren, bin ich mit dem Dinghy hingefahren und hab gefragt ob ich helfen kann weil er die ganze Zeit die Ankerwinde per Hand bedient hatte. Sie brauchten keine Hilfe.

Wenn ich rückwärst auf den Strand gedrückt werden würde, wäre das gar nicht gut. Mein Ruder würde als erstes Kontakt bekommen und im schlechtesten Fall aus den Lagerstellen reißen. Dies hat auch zur Folge, das Wasser ungehindert in das Boot eindringen kann. Das ist dann schon ein sehr großer Schaden.

Wie stelle ich nun sicher, dass alles in Ordnung ist, wenn ich nicht an Bord bin oder schlafe?

Hierfür habe ich die App „Ankeralarm“. Ich habe diese gekauft und damit die Premium Funktionen. Der „Master“ ist auf dem Tablet konfiguriert, das verbleibt immer an Bord. Die App ist online über das Portal des Anbieter mit dem Handy als Slave verknüpft. So werden Meldungen an mich weitergeleitet, wenn ich nicht an Bord bin und ich kann mit einem Blick kontrollieren wie die Lage ist.

Hier ein Screenshot von der App:

Das rote Zeichen ist die Position des Ankers, das blaue Zeichen ist mein Boot aktuell. Der graue Kreis ist der vorgeschlagene Radius der App und der rote Kreis ist mein eingestellter Kreis für die Überwachung. Den kann ich in 1 Meter Schritten und auch die Position des Kreises verändern. Siehe im Screenshot unten rechts. Die blauen Punkte sind alles Positionen meines Schiffes während der Überwachung. Im dritten Kreis-Quadranten ist ein roter Punkt zu erkennen, da gab es eine Alarmmeldung. Die ausgelegte Kettenlänge (wieviel Kette habe ich raus gelassen, der Segler spricht auch von gesteckter Kette) bestimmt den Radius. Je nach Windrichtung schwingt (Seglersprache= schwojt) das Boot um den Ankerpunkt und bildet somit den Schwojkreis. Das ist oben sehr gut zu sehen. Wenn es einen Alarm gibt trötet das Tablet und das Handy richtig laut los. Da werde ich auch Nachts von wach. Die Geräte liegen Nachts immer an meinem Bett.

Die App kann aus den Messungen den Lagepunkt des Ankers berechnen, falls beim Ankern vergessen wurde diesen zu speichern. Je mehr Messungen zur Verfügung stehen, desto genauer wird das. Wen es interessiert wie es berechnet wird kann Saskia (Mathematik Lehrerin) fragen. Spaß!

Wenn viele Boote dicht zusammen in einem Ankerfeld liegen, sollte die Kettenlänge in etwas bei jedem gleich sein damit der Schwoijkreis auch gleich ist. Sieht bei wechselnden Winden dann aus wie beim Synchronschwimmen oder Ankerballett. Ansonsten kommt man sich ins Gehege. Daher fragen viele den Nachbarn, wieviel Kette er ausgelegt hat, um das sicherzustellen. Hier hilft auch die Faustformel: Länge Kette = 5 fache der Ankertiefe (grob gesagt).

Stay save!

3 thoughts on “Tools Part 2 – Griechenland…44kn Wind…der Anker sitzt

    • SY Yendor says:

      Manche schrumpfen in meinem Alter, ich wachse jeden Tag! Bei dir da an der Atlantikküste hätte ich noch viel mehr Respekt. Du hast schon sehr große Dampfer in Form von Unternehmen gesteuert. Gruß nach Frankreich

  1. Gabi says:

    Respekt!!!
    Ich bewundere dich , als Anfänger hast du alles richtig gemacht.
    Ich wüste nicht wie ich reagiert hätte.
    Weiter so und vielen Dank das wir an deinen Erfahrungen teilnehmen dürfen .
    Mach weiter so und melde dich bitte bei uns.
    Lg Gabi

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