Die Segel sind nicht mehr so toll, bei Erwerb des Bootes habe ich neue Segel gleich eingeplant. Dies war im Kaufpreis sozusagen eingepreist. Es ist sogar ganz gut, wenn ich jetzt übe und dabei das Material leidet, weil ich Fehler mache, sind es keine neuen Segel. Ich denke diese und vielleicht nächste Saison werde ich die noch fahren und dann neue kaufen.
Ich war jetzt dreimal segeln üben. Insgesamt ca. 20 sm (Seemeilen), Umrechnung ungefähr Faktor 1,8, somit rund 36 km.
Beim ersten Mal mit Helmut aus Aachen (Gruß an euch beide). Hier haben wir einen Tag Einweisung am Boot gemacht. Was bedeutet seefest, was ist wichtig für die Vorbereitung, was muss beachtet werden. Am nächsten Tag sind wir dann rausgefahren. Im Ambrakischen Golf fängt der Wind immer so gegen 14 Uhr an und schläft am Abend ein.
Die Touren habe ich mit meiner Garmin Sportuhr aufgezeichnet. Wenn später meine neue Boots-Elektronik installiert ist, macht diese das automatisch.

In meiner Ankerbucht habe ich dann Wolfgang aus Mainz kennengelernt, er hatte über 4 Jahre eine Weltumsegelung gemacht. Mit ihm bin ich auch einmal raus gefahren.

Das dritte Mal bin ich dann alleine los und hatte somit die komplette Verantwortung.

Was bedeutet seefest? Während des Segelns kann viel Wellengang sein, in jedem Fall gibt es bei Wind Schräglage (der Segler sagt nur Lage). Deshalb muss das Boot seefest gemacht werden damit unter Deck nichts durch die Gegend fliegt und kaputt geht oder auch noch zusätzlich etwas durch den „Einschlag“ zerstört. Es darf im gesamten Boot nichts lose rumliegen, alles muss verstaut sein. Dies gilt auch an Deck. Alles was nichts mit segeln zu tun hat sollte möglichst auch nicht da sein. Wenn man so wie ich noch viel am Boot baut kann sich jeder vorstellen wie es während dieser Phase im Boot aussieht. Alles ist voll Material, Werkzeuge liegen überall rum. Alle Staufächer in denen das gelagert ist haben freien Zugang, bedeutet auch häufig die ganzen Sitzpolster der Bänke sind demontiert, um die Klappen zu öffnen. Auch in den Bädern muss alles weggeräumt sein, in den Toiletten muss das Wasser abgepumpt werden. Die Liste ist lang. Oben steht sonst immer mein Grill, auch der muss verstaut werden. Der Motor vom Beiboot abgebaut und an Deck verankert werden. Alles in allem benötige ich ca. 3 – 4 Stunden. Wie gesagt dies gilt wenn ich auch viel baue und dafür auch noch alles rumliegt. Nebeninfo, die Türen der Schränke die zum Beispiel in der Küche (Kombüse) oder Wohnzimmer (Salon) hängen sind die nicht rechts oder links sondern unten angeschlagen. Wenn ich diese dann nach einem Segeltörn öffne, fliegt mir nicht gleich alles entgegen weil sich das Fach sozusagen von oben öffnet. Da kann man dann schnell schauen ob etwas herausfallen will und dem entgegenwirken.
Die Fahrt selber besteht aus Anker einholen – Segeln – Ankern bei Rückkehr
Getreu der Lehre für Methodik Didaktik, vom Einfachen zum Schweren bin ich folgendermaßen vorgegangen
Segel setzen und diese mit den vielen zuständigen Leinen so richten, das sie nicht flattern und schön im Wind „stehen“. Hier mal zuppeln da mal mehr Leine geben, um zu lernen was passiert und wie sich das Segel verändert oder die Lage des Bootes. Gerade als Anfänger ist hier der Autopilot für mich eine sehr wichtige Komponente. Dieser erlaub es mir mich auf eine einzige kleine Teilaufgabe zu konzentrieren und die Komplexität herunter zu brechen.

Zweite Übung Wende üben. Einfach gesagt, wenn der Wind vorher von rechts (Steuerbord) kam, das Boot so drehen, das der Wind von links (Backbord) kommt. Dies ist ein Grundmanöver.
Dritte Übung Segel reffen (verkleinern). Die Segelfläche sollte den Windverhältnissen angepasst werden. Meine beiden Segel können eingerollt werden. Durch das Ein- und Ausrollen kann ich die Segelfläche verkleinern oder vergrößern. Mein vorderes Segel hat komplett ausgefahren 50 qm, das hintere Segel 45 qm. Somit habe ich mehrere Möglichkeiten die Gesamtfläche zu verändern. Als ich alleine unterwegs war habe ich nur das vordere Segel genutzt. Es waren in Böen 23 kn (Knoten) Wind was ca. 43 km/h sind. Im Mittel waren 17-18 kn. Selbst nur das Vorsegel war dafür schon zu groß, das Boot hat sehr sehr schräg gestellt, was für den Segler wenig Komfort bedeutet. Am Ende hatte ich das Vorsegel um 50% reduziert und bin immer noch 5 kn Geschwindigkeit gefahren. Zur Einordnung, mein Boot schafft als Maximum vielleicht 10 kn.
Kleiner Exkurs zu Schräglage:
Hohe Schräglage bedeutet auch nicht automatisch schneller. Wenn das Boot viel Lage hat, beutet dies der Wind drückt es runter. Vom Wind aus gesehen zeigt sich dann weniger Segelfläche, viel Wind geht oben über das Segel weg und kann nicht in Vortrieb umgewandelt werden. Wenn ich jetzt die Segel kleiner mache, wird das Boot aufrechter (weniger Lage) und dem Wind wird die volle Segelfläche angeboten. Das hat zur Folge das das Boot häufig mit weniger Segelfläche und dadurch wenige Lage genauso schnell fährt als wenn es viel Segelfläche hat und viel Lage hat. Für den Segler ist viel Lage unbequem, das er sich die ganze Zeit abstützen oder irgendwie mit den Beinen festklemmen muss. Selbst wenn ich langsamer wäre würde ich immer den Weg mit wenig Schräglage gehen, da es viel angenehmer ist. Was interessiert mich ein Knoten mehr oder weniger Geschwindigkeit. Es gibt sicher Segler denen das wichtig ist, ich gehöre nicht dazu. Diese Beschreibung ist sehr einfach gehalten, ich hoffe ein Nichtsegler versteht es.

Klarheit über meine Ziele:
In Gesprächen mit meinem Umfeld habe ich immer wieder herausgehört, dass es bei einigen eine andere Erwartung gibt, was den Segelanteil betrifft. Daher möchte ich ein paar Sätze dazu sagen. Ich habe mir kein Segelboot gekauft, um des Segelns willen. Mein Ziel war es, auf einem Boot zu wohnen und wenn es mir an dem aktuellen Ort zu langweilig wird meine „Wohnung“ an einen anderen Ort zu stellen. Mir geht es nicht um das Segeln. Es ist meine Wohnung die auf einem Segelboot ist. Mein ursprünglicher Plan war es ein Motorboot zu kaufen. Daher hatte ich mit Mexiko Mike zusammen ein Motorboot in Berlin gekauft, um das „Leben“ zu testen und ob es mir gefällt. Einen Herbst hatte ich mit Stefan zusammen ein holländisches Stahlboot in Holland für zwei Wochen gemietet, auch, um das Leben mit der Boots-Wunschgröße zu testen. Ich war sogar kurz davor eines zu kaufen. einen Sommer hatte ich mir 8 Boote in Holland angeschaut und ein Makler hatte mich dann noch einmal exklusiv angerufen und den Preis erheblich nachgebessert. Es fehlte vielleicht 1% dann hätte ich das Boot gekauft. Später durch die hohen Spritpreise und die Änderung des Zielgebiets von Europas Kanälen zum Mittelmeer hat sich das Motorboot dann zu einem Segelboot geändert.
In erster Linie möchte ich aktuell mein Zuhause so einrichten wie ich es mir vorstelle und das ist viel Arbeit die auch in diesem Jahr nicht abgeschlossen sein wird. Ich möchte autark sein und somit unabhängig von Häfen und Infrastruktur. Das hat auch was mit den Kosten zu tun. Häfen sind im Mittelmeer sehr teuer. Da können für meine Bootsgröße auch schon mal 200€ pro Nacht in der Hauptsaison aufgerufen werden. Das ist außerhalb meines Budgets.
Sicher muss ich auch segeln können und das ist auch mein Ziel. aber ich muss es nicht jetzt sofort! Im Zweifel mach ich den Motor an und lass die Segel unten. Ich habe nicht den Anspruch, ein Supersegler mit einem möglichst vollen Meilenbuch zu werden. Mir reicht auch das Mittelmeer vollkommen aus. Ich möchte entspannen, dem Stress und Zwängen der letzten Jahrzehnte entfliehen. Mir geht es um die Menschen und die sozialen Kontakte die während meiner Reise entstehen und das in einer möglichst schönen und warmen Umgebung. Das sind meine wichtigen Ziele. Ich will ja nicht als Eremit auf meinem Boot enden, egal wie toll es ist. Das ist nichts gegen einen schönen Abend mit Gleichgesinnten am Grill und Seemannsgarn bei schwerer Zunge zu spinnen. Segeln ist echt für mich der unwichtigste Teil an dem ganzen Projekt. Es ist lediglich eine Option mit wenig Geld große Strecken zurückzulegen. Eine Option, kein muss! Ich hoffe ich konnte das einigermaßen rüberbringen.
