Auch andere machen Fehler

Montag, 17.08.2026 17:40 Uhr, ich sitze gerade an Deck und schreibe mit meinen Böklundern per WhatsApp (Gruß an Astrid), da bietet sich mir obiges Bild. Segel komplett gesetzt und der Wind voll drin aber das Boot bewegt sich keinen Zentimeter vorwärts. Weder auf dem Bild noch in live :-). Ich beobachtete das eine Weile und es blieb so. Was muss passiert sein? Es ist auf Grund gelaufen, es steckt Unterwasser fest. Er ist viel zu dicht am Hafen entlang gefahren.

Hier die Seekarte dazu, der rote Kreis markiert ungefähr den Standort des Bootes:

Oben rechts sieht man mein Boot in der Karte, rechts vom roten Kreis die Steine, welche im Wasser liegen, im obigen Bild rechts von der Bootsspitze. Die Fahrtrichtung des Bootes war Richtung Oberkante der Karte. Die Zahlen auf der Karte sind die Wassertiefen in Metern. Ich habe mir die besseren Karten gekauft, da sind die Linien noch kleinteiliger als bei den normalen. Er kommt also aus 3,2m und fährt in den Bereich 1,8/1,5m. Ich habe den Tiefgang des Bootes im Internet recherchiert, es müsste 2m haben. Mein Boot hat 2,05m.

Somit hätte er dort nie langfahren sollen. Der Segler kalkuliert natürlich immer noch Reserve ein, ich bleibe im Bereich von 3 – 3,5m. Wellengang und Beladung haben durchaus Einfluss auf den Tiefgang.

Segler helfen sich immer gegenseitig, so zumindest handhabe ich es. Gerade ich als Alleinsegler bin in einem Notfall auf fremde Hilfe angewiesen. Ich mein Beiboot klar gemacht und bin hingefahren, ich war der Erste vor Ort. Es waren Franzosen, sechs Besatzungsmitglieder, nur eine ältere Frau sprach Englisch. Nicht einmal der ca. 35 jährige, ich würde sagen Sohn, konnte Englisch. Somit kurz besprochen, was kann man tun. Ich habe erst einmal klar gemacht, das ich nur der Ausführende bin und nur auf Anweisung handele. Alles was gemacht wird ist deren Entscheidung, nicht meine. Hier geht es um….er hat gesagt und nun ist etwas kaputt…… Mein Vorschlag war, eine Leine die bis an die Mastspitze geht zu nehmen und mit dem Dinghy daran im Winkel von 90 Grad zum Boot zu ziehen. Das ist die Standard-Vorgehensweise. Ich denke, dass weiß so ziemlich jeder Segler. Ich konnte während der ganzen Zeit keine Bilder machen, ich war mit der Hilfe beschäftigt. Der Wind stand günstig, drückte das Boot auf die rechte Seite, somit muss man rechts ziehen, um das Boot noch schräger zu bekommen. Die Segel können stehenbleiben, sie helfen. Ziel: Tiefgang verringern.

Hier ein Bild vom Prinzip:

Ich habe einen 6 PS Motor und habe eine Weile gezogen, ich habe es nicht frei bekommen. Aktuell war nur das Hauptsegel gesetzt. Später haben wir noch das Vorsegel dazu genommen, somit konnte der Wind noch mehr „helfen“. In der Zwischenzeit ist noch ein Dinghy zu Hilfe gekommen, auch Deutsche. Er hatte einen 10 PS Motor dran. Somit haben wir getauscht und er hat gezogen. Dann konnte ich auch ein paar Bilder machen. Mit Fotos habe ich mich zurückgehalten, wollte nicht wie ein Sensationsreporter der Boulevardpresse rüberkommen, der sich an dem Unheil anderer labt.

Hier ein Bild wie die anderen es versuchen, leider gegen die Sonne:

Rechts vom gesetzten Segel ist ganz schwach die Leine bis zur Mastspitze zu sehen, die zum Ziehen genutzt wurde. Wie geschrieben, später wurde auch noch das Segel ganz rechts rausgezogen. Beide Segel und die 10 PS konnten das Boot dann so neigen, dass es frei kam.

Nächsten Tag habe ich das Boot im Ankerfeld gesichtet als ich an Land gefahren bin. Hier ein Foto wenn es friedlich vor Anker liegt. An der dicken Schmarre auf der Seite kann man sehen, dass es sich schon andere „Kampfspuren“ geholt hat. Es sieht nach einer ungewollten Berührung mit einem Steg oder der Kaimauer aus.

Ich habe mir mal sagen lassen, irgendwann passiert es jedem Segler. Ich hoffe mich trifft es nicht so schnell. Gerade als Anfänger wird dann das Adrenalin besonders hoch sein. Ich hoffe, dann ist auch jemand in meiner Nähe der mir hilft. Der junge Franzose war gar keine Hilfe. Er hatte versucht durch drücken mit seinen 2,3 PS das Boot zu „schieben“. Das hätte sich nie bewegt. Als wir dann da waren, hat er nur noch mit seiner Aktion Kamera gefilmt.

Randinformation möglicher Schaden: Das Schlimme ist nicht aufzulaufen, sondern der mögliche Schaden der daraus entstehen kann. Moderne Boote wie dieses (und auch meins) haben einen Kiel als Ballast unter dem Boot, welcher mit Bolzen angeschraubt ist. Fahre ich nun vorwärts auf Grund tritt ein Kippmoment in den Ballast ein. Bedeutet, vorne in der Verbindung Boot/Ballast wird es auseinander gezogen, hinten in das Boot rein gedrückt. Ich hoffe man kann sich das etwas vorstellen. Dadurch können erhebliche Schäden am Unterwasserschiff im Laminat (Hülle) entstehen und auch die Bolzen abreißen. Solche Schäden können gerne mal schnell weit über 10T Euro kosten. Ich denke das wird auch keine Versicherung bezahlen, wegen schlechter „Seemannschaft“, Seetiefen nicht beachtet, weiß es aber nicht.

Hier ein Bild von drei meiner Bolzen im grauen Bereich rechts. Bei Kauf eines Schiffes werden diese akribisch kontrolliert, ob Schäden sichtbar sind. Auch an den benannten Stellen, wo „gezogen“ und „gedrückt“ wird, sehr genau hingesehen, um zu erkennen, ob es einen früheren Schaden wegen Grundberührung gab. Daher hatte ich auch einen Gutachter bei Kauf des Boots engagiert.

Mein Ballast wiegt übrigens 2,9 Tonnen und ist, platt gesagt, dafür zuständig, dass das Boot nicht umkippt. Er hat noch mehr Aufgaben, aber das würde zu weit führen.

6 thoughts on “Auch andere machen Fehler

  1. Netti Trüschel says:

    Mega interessant und gut verständlich dargestellt.
    Prima, dass Du Dir die besseren Karten gekauft hast und nicht am falschen Ende gespart hast.
    Aber hab auch nichts anderes von Dir erwartet 😉
    Ich wünsche Dir eine ebenso tatkräftige und zuverlässige Unterstützung, solltest Du mal auf Hilfe angewiesen sein.

    Was lernt man daraus:
    Wer die Tiefenkarte ignoriert, wird vom Flachwasser kuriert

  2. Marcus says:

    Oha , sehr interessant mein Gutster. Dann ändere ich den bekannten Spruch mal auf :“Immer mindestens 30 Handbreit Wasser unterm Kiel“ Pass weiterhin gut auf dich auf, Käptn Iglo ⛵️

  3. Elke und Helmut says:

    Es ist toll, daß Du spontan geholfen hast. Und Du hattest auch die richtige Idee. Wir sind beeindruckt. Ich war mal in einer ähnlichen Situation und keiner wusste zunächst, was zu tun ist. Am Ende kam das Boot mit derselben Methode frei.
    Gesetzte Segel helfen bei der Krängung, bewirken aber, daß das Boot sofort losfährt, sobald es frei ist.
    Es war eine tolle Aktion. Hoffentlich haben sich die Franzosen mit gutem französischen Roteein bedankt.

    • SY Yendor says:

      Ich hatte das mal in irgend einem Video auf YouTube gesehen. Du hast recht, das Boot ist dann gleich „abgeschossen“. Er hat auch lange gebraucht, um die Segel einzurollen, ich denke er war darauf nicht vorbereitet. Verständlich, bei all der Aufregung. Ihr kennt ja die Bucht, waren auch einige vor Anker. Ist zum Glück nichts weiter passiert und er hat keinen gerammt. Er ist nicht mal mit dem Dinghy vorbei gekommen und hat sich bedankt, ich hatte auch auf eine Flasche Rotwein spekuliert. Aber wir Helfer machen das ja für die Ehre und Vaterland. Mit einer feuchten Kehle allerdings noch viel lieber 😉

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