Seelenstriptease

Es gab schon Nachfragen, daher hier mal ein kurzer Blick in mich hinein.

Ich bin nun seit dem 08.03.2026 hier in der Marina, mit dem Boot an Land und jeden Tag mehr oder weniger damit beschäftigt am Boot zu bauen, Dinge zu recherchieren oder mir Gedanken über Lösungen zu machen. Die ersten zwei Wochen habe ich nur die Seele baumeln lassen. Es war in den letzten Monaten vor meiner Abreise sehr anstrengend, vom Rentnerleben keine Spur.

Wie komme ich, rückblickend nach fast drei Monaten, damit zurecht in einer komplett neuen und fremden Welt zu sein, niemanden zu kennen, komplett neu anzufangen?

Dazu muss man wissen das habe ich schon mehrfach in meinem Leben durch die Bundeswehr gemacht. Dadurch habe ich es „gelernt“ damit umzugehen, schnell Fuß zu fassen und mich zu behaupten. Es fällt mir nicht schwer. Früher kam ich in die Gruppen durch den Sport, schnell war ich anerkannt weil ich darin einigermaßen gut war. Hier im Seglerleben verlasse ich mich auf mein Wissen und Können vor allem im Bereich Bootselektrik. Das hatte ich schon im letzten Jahr im September gezeigt. Ich habe den Aachenern an ihrem Boot etwas repariert und wir machen bis heute noch Dinge zusammen. So waren wir hier 4 Wochen fast täglich gemeinsam unterwegs, haben uns auch zweimal einen Mietwagen geteilt. Sie kommen Mitte Juni wieder und dann wollen sie mit mir und meinem Boot segeln üben, solange bis ich alles alleine kann.

Ich denke dies wird sich noch öfter wiederholen. Die Gemeinde hält zusammen, so wie es Motorradfahrer tun. Ich zwinge mich auf die Leute zuzugehen, sie anzusprechen, mich vorzustellen ohne aufdringlich zu sein. Wenn ich merke mein Gegenüber möchte das nicht, dann ziehe ich mich zurück. Das hat mir hier schon einige Bekanntschaften eingebracht. Ich nenne auch sofort meinen Namen und frage nach deren, um ein wenig Verbindlichkeit zu schaffen. Und dieses Netzwerk wird sich über die Zeit immer mehr erweitern. Ich führe eine Tabelle mit den Namen der Boote und der Eigner, wo und wie ich sie kennengelernt habe. Ich bin auch schon vergesslich und einmal niedergeschrieben hat noch einen höheren Merkeffekt.

Auch gibt es Plattformen die das Netzwerken unterstützen. Hier steht allen voran Noforeignland. Dort bin ich auch registriert, dort kann man seine Buddy’s verwalten und jederzeit sehen wo sie gerade sind wenn sie dies freigegeben haben. Wenn ich später unterwegs bin, kann ich bewusst Buchten oder Häfen anlaufen, weil ich weiß das der oder diejenige gerade dort ist.

In meiner Marina ist es natürlich einfacher jemanden kennenzulernen da man sich „über den Weg“ läuft. Das ist auf dem Wasser nicht ganz so einfach, ich kann schlecht einfach bei jemanden längsseits fahren und sagen: Hallo, ich bin der Norman“. Aber wenn ich in einer Bucht bin kann ich durchaus versuchen jemanden per Funk anzusprechen. Ich denke aber die meisten werden das Funkgerät aus haben, heute hat auch hier das Handy Einzug erhalten.

Hier ist natürlich ein hoher Grad von Oberflächlichkeit. aber wenn ich in Berlin in eine Kneipe gehe und dort jemanden am Tresen anquatsche und mich dann unterhalte ist es das auch. Mit den Aachenern könnte durchaus mehr daraus entstehen. Sie wissen von mir, dass ich eine bestimmte Sorte von Körben für meine Ablagen suche. Sie sind mit dem Boot bestimmt 50 km entfernt und kommen erst in ein paar Wochen hierher. Heute haben sie dort bei sich welche gesehen von denen sie glaubten dass sie mir gefallen könnten. Haben mir Bilder geschickt und gefragt ob sie die für mich kaufen sollen. Gesagt getan. Das ist schon nicht mehr Oberflächlich, das ist ein Schritt weiter.

Wer weiß, was für Freundschaften durch meine Reise entstehen. Seine besten Freunde oder Freundinnen hat jeder auf seiner bisherigen Lebensreise gefunden warum sollten nicht auch hier auf diesem Weg der ein oder andere dazukommen.

Meine richtigen Freunde zuhause die sind ja nicht weg. Sie sind immer noch, ich kann jederzeit mit ihnen sprechen oder eine Videokonferenz machen und ein Bier trinken. Sicher ist es nicht genau das Gleiche.

Mir geht es blendend, ich habe noch keinen Tag bereut, meine Entscheidung noch nie in Frage gestellt. Klar wird es schwierige Zeiten geben, Nöte, bange Momente. Aber die würde es an jedem Ort der Welt geben, sie sind nur anders. Ich habe keine Angst davor! Mal seine Komfortzone verlassen kann ganz gut tun, so zumindest meine Meinung.

Auch freue ich mich über die vielen kleinen und großen Projekte die wahrscheinlich niemals aufhören. Aber das macht mir in Summe Spaß. Klar könnte ich manchmal am liebsten den Stöpsel rausziehen und das Boot versenken, wenn es denn im Wasser läge. Aber das gehört auch dazu. Gerade bei meinem aktuellen Projekt Wasserversorgung komme ich aus dem Fluchen nicht raus. Aufgeben ist keine Option, da muss ich durch und ich werde es auch schaffen. Mich hetzt keiner, wenn ich noch einen Monat an Land bleibe dann ist es eben so.

Mir geht es sehr gut, das ist nicht geheuchelt

….und ich bin mir sicher es wird noch lange so sein!

Ich habe alles in der Hand, ich kann aktiv auf alles Einfluss nehmen, das ist mein Credo aus dem ich meine Kraft schöpfe.

Scheut euch nicht mir Fragen zu stellen, ich werde versuchen diese ehrlich zu beantworten.

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